Mobilität & Verkehr

Motion "Richtplan Fussverkehr: Umsetzung mit der SBB Abstellanlage Bümpliz Süd und keine Salamitaktik!"

12.09.2019 - Einreichung Motion

Nach BLS (Werkstätte im Chlyforst) und Bernmobil (neues Tramdepot im Westen) ist nun per Zufall ein SBB Projekt Gegenstand eines Vorstosses. Die SBB möchte beim Bahnhof Bümpliz Süd eine neue Abstellanlage für ihre S-Bahnen und Interregio-Züge errichten. Da die SBB Eigentümerin des Areals ist, das Vorhaben zonenkonform und der Bedarf erwiesen ist, fordern wir den Gemeinderat lediglich auf abzuklären, ob es eine Alternative Richtung Flamatt gibt. Falls nicht, soll die Stadt die fehlende Fusswegverbindung zwischen Freiburgstrasse und Lagerhausweg/Wangenstrasse realisieren. Diese Unterführung ist im Richtplan Fusswegverbindung von 2014 vorgesehen und war auch ein Bestandteil der Quartierplanung von 2005. Da nun die SBB an besagter Stelle bauen will, aber die Fusswegverbindung lediglich Priorität 2 hat und die Stadtverwaltung erst jetzt mit der Gesamtplanung des Richtplanes angefangen hat, wollen wir mit unserer Motion eine Grundsatzentscheidung des Stadtparlamentes, damit beide Projekte gemeinsam realisiert werden.

14.11.2019 - Stadtratsdebatte

Unsere dringlich erklärte Motion wurde nun im Stadtrat traktandiert und der Gemeinderat empfiehlt sie nur als Postulat erheblich zu erklären. Damit sind wir nicht einverstanden und wollen keine weiteren 10 – 15 Jahre auf diese Unterführung abwarten. Die Gelegenheit, die Fussverbindung zusammen mit der Abstellanlage zu realisieren dürfen wir uns jetzt nicht entgehen lassen und wir konnten mithilfe unseres Bündnispartners GB/JA! und den bürgerlichen Parteien ein Zeichen für den Fusswergverkehr und für Bümpliz setzen, die Forderungen aus Punkt 2 und 3 wurden nun als Motion überwiesen. Erstaunlich, dass unser zweiter Bündnispartner GFL zwar für das Anliegen Verständnis zeigt, aber lediglich prüfen will und nicht vorwärts machen will.

Motionärs-Votum (Skript): "Richtplan Fussverkehr: Umsetzung mit der SBB Abstellanlage Bümpliz Süd und keine Salamitaktik lautet der Titel dieser dringlichen Motion, über die wir nun beraten. Es ist nicht so, dass wir etwas gegen eine Salami oder gegen die geplante SBB Abstellanlage beim Bahnhof Bümpliz Süd hätten. Aber was mich und viele Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt stört sind Projekte in den Quartieren, die schon sehr lange bei der Stadtverwaltung deponiert sind und sich, wie wir hier nun erfahren durften, im Dornröschenschlaf befinden und vor sich hinvegetieren. Hier im konkreten Fall kommt noch hinzu, dass die Eigentümerin im besagten Gebiet bauen will und die Stadt noch nicht so weit ist. Böse Zungen würden hier noch beifügen: wieder einmal. Dabei geht es hier um eine offene Massnahme aus dem behördenverbindlichen Richtplan Fussverkehr und wer den Vortrag des Gemeinderates liest, könnte meinen, dass diese Fusswegverbindung zwischen Freiburgstrasse und Lagerhausweg/Wangenstrasse eine neue Idee sei, ein paar wenige Jahre alt. Dabei handelt es sich hier um eine einfache Unterführung, welche bereits in den früheren Quartierplänen erwähnt war und für die Durchlässigkeit im Quartier und Stadtteil unbedingt erforderlich ist. So gibt es auf der gesamten Freiburgstrasse entlang der Bodenweid, von der Unterführung beim Stöckacker/Europaplatz bis zum Kreisel bei der Halmattstrasse lediglich eine Möglichkeit, die Hauptstrasse und Gleisanlagen zu überqueren: Bahnhof Bümpliz Süd. Im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung des Gebiets, im Vortrag als „Chantier Korridor Freiburgstrasse“ erwähnt, benötigt es in einer Stadt der kurzen Wege auch attraktive Fusswegverbindungen. Kommen wir zum Antrag des Gemeinderates, die Motion als Postulat zu überweisen. Wir werden den Punkt 1 in ein Postulat wandeln und akzeptieren gleichzeitig den Vortrag als Prüfungsbericht. Hingegen werden wir die Punkte 2 und 3 nicht wandeln und möchten diese als Motion erheblich erklären. Wieso werde ich gleich näher ausführen.

Kommen wir zum ersten Punkt, den wir hier als Postulat befinden. Der Gemeinderat wurde gebeten abzuklären, ob ein anderer Standort existiert. Grundsätzlich sollte ich mich freuen. dass der Stadtteil 6 dermassen gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen besitzt, das etliche Infrastrukturprojekte des öffentliches Verkehrs im Westen der Stadt realisiert werden sollen: BLS-Werkstätte im Chlyforst, Bernmobil Tramdepot bei der Bodenweid oder Messerligrube und nun die SBB Abstellanlage in Bümpliz Süd. Wie der Gemeinderat im Vortrag leider erwähnt, ist es zu spät für Standort-Abklärungen und ich vermute einmal, dass die Stadt von den Plänen der SBB überrascht wurde. Wie ich einleitend erwähnt habe, sind wir nicht per se gegen die Abstellanlage und unterstützen wie der Gemeinderat die notwendigen Ausbauschritte. Betriebswirtschaftlich macht der Standort Bümpliz Süd natürlich Sinn. Ob es volkswirtschaftlich Vernünftig ist, im Siedlungsgebiet solch Anlage zu bauen während weiter westlich, ein bis zwei S-Bahnstationen weiter, ungenutzte Gleisflächen brach liegen, ist eine andere Frage. Interessant und erfreulich zugleich ist, dass sich der Gemeinderat bemühen wird, dass die Stadt beim nächsten Ausbauschritt AS35 frühzeitig bei den Standortevaluationen für Infrastrukturprojekte einbezogen wird und dass auch Standorte ausserhalb der Stadt Bern in Betracht gezogen werden.

Mit den zweiten Punkt, welche wir als Motion festhalten, bitten wir den Gemeinderat, die entsprechenden Geschäfte für die erwähnte Fusswegverbindung vorzubereiten und dem Stadtrat vorzulegen. Diesen Punkt als Postulat zu beantragen finden wir komisch, schliesslich handelt es sich um eine offene Massnahme aus dem Richtplan. Und wie der Gemeinderat gebetsmühlenartig bei anderen Projekten (z.B. bei der BLS-Werkstätte oder der Rehhaggrube), dass die Richtpläne behördenverbindlich sind. Aus diesem Grund und weil die entsprechenden Kreditgeschäfte in die Kompetenz das Stadtrates fallen, halten wir bei diesem Punkt als Motion fest. Des Weiteren ist es auch ein Zeichen, dass neben der Verbesserung der Veloverbindungen eben auch in die Fusswege investiert wird. Was die fehlende Netzplanung angeht: etwas mehr Flexibilität und Kreativität darf auch bei dem entsprechenden Stellen eingefordert werden und wir sehen wirklich nicht, weshalb die Unterführung eine übergeordnete fixfertige Netzplanung erfordert. Aus unserer Sicht ist dies noch kein Grund, um weitere 10 – 15 Jahre zuzuwarten. Nebenbei frage ich mich, ob uns die Wählerschaft und die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt Bern noch ernst nehmen können, wenn für eine einfache Fussweg-Unterführung gefühlte 20 – 30 Jahre benötigen. Dies ist für mich völlig unverständlich und solches trägt auch viel zur Politikverdrossenheit der Bevölkerung bei.

Mit dem dritten Punkt, welche wir ebenfalls als Motion festhalten, bitten wir den Gemeinderat beide Projekte, die Unterführung und die Abstellanlage, zusammen ohne Verzögerung zu realisieren. Wir finden, dass bei Bauprojekten auch offenen Massnahmen aus den Strategien, Konzepten, Richtplänen und wie sie alle auch heissen mögen, umgesetzt werden. In Anbetracht der regen Bautätigkeit in der Stadt Bern sollte es unser Ziel sein, die Emissionen für die Bewohnerinnen und Bewohner so gering wie möglich zu halten. Es ist ja schön und gut, dass Bedingungen und Auflagen gestellt wurden, um die Koordination mit der Fusswegverbindung sicherzustellen. Persönlich finde ich es Schade, dass der Gemeinderat diese Auflagen im Vortrag nicht näher beschrieben oder sonst wie kommuniziert hat. Es ist etwas viel verlangt, einfach ins blaue hinaus zu vertrauen und zu hoffen, dass auf diese Weise mögliche Synergien genutzt werden können. So wie aktuell geplant wird, werden keine Synergien für den Städtebau entstehen und es werden auch keine Kosten eingespart. Die einen werden nun entgegnen, dass die SBB vorgeprescht ist und wir als Stadt noch Zeit zum planen brauchen. Ohne jemandem etwas unterstellen zu wollen: ich finde, gewisse Stellen haben die kommende Entwicklung schlichtweg verschlafen. Die Erforderlichkeiten und Bedürfnisse des Bahnausbaus sind bekannt und es liegt auch beim Gemeinderat sicherzustellen, dass Unternehmungen wie die SBB frühzeitig ihren Raumbedarf anmelden und bei der Standortevaluation miteinbezogen wird. Und ist es echt so schwierig, eine Unterführung, die seit längerer Zeit vorgesehen ist, nun zu planen? Geht es echt nicht ohne einen stadtweiten bzw. agglomerationsweiten Netzplan? Ich denke, ihr kennt die Antwort und ich bin überzeugt, dass mit etwas mehr Flexibilität und Kreativität eine rasche und quartiererfreuliche Lösung der Abstellanlage und der Fusswegverbindung gefunden werden kann."


Motion „Neue Tangentialbuslinie Bern Nordwest (Kleefeld - Neufeld)"

14.03.2019 - Einreichung Motion

Bereits früher gab es die Idee einer Busverbindung zwischen den Stadtteilen 5 (Nordquartier) und 6 (Bümpliz-Oberbottigen). Da nun eine Studie die Zweckmässigkeit einer Tangentialbuslinie zwischen dem Kleefeld, dem Neufeld und der Tiefenau bestätigt, schlagen wir die rasche Einführung dieser Linie. So kann die Lücke im städtischen Liniennetz geschlossen werden und der Verkehrskorridor Nordwest wird mit dem öffentlichen Verkehr gestärkt.

16.05.2019 - Stadtratsdebatte

Unsere dringlich erklärte Motion wurde nun im Stadtrat traktandiert und der Gemeinderat empfiehlt sie als Richtlinie erheblich zu erklären. Da die Motion von den Fraktionen her unbestritten war, wurde keine Abstimmung durchgeführt und ich konnte mein Votum leider nicht zu Ende führen (daher das ganze Votum als Skript).

Auszug aus dem Stadtratsprotokoll

Motionärs-Votum: "Ich danke dem Gemeinderat für seine kurze und prägnante Antwort zu unserer Motion. Es ist erfreulich, dass der Gemeinderat bereits reagiert hat und bei der Regionalkonferenz Bern-Mittelland (RKBM) eine vertiefende Prüfung für eine neue Tangentialbuslinie Kleefeld-Neufeld beantragt hat. Die Tangentialbuslinien in der Stadt Bern sind für den städtischen öV nicht unbedeutend und verkehren seit mehreren Jahren in verschiedenen Quartieren. Die bestehenden Tangentialbuslinien werden laufend optimiert und das Angebot wird immer wieder ergänzt. Mittlerweile sind sie ein wichtiger Bestandteil des städtischen öV-Netzes. Sie entlasten die Hauptverkehrsachsen, insbesondere auch den Hauptbahnhof, und verbinden verschiedene Quartiere direkt miteinander, was von der Bevölkerung geschätzt wird. Die Wichtigkeit dieser Buslinien kommt auch im aktuellen Stadtentwicklungskonzept (STEK) 2016 zur Geltung: Im STEK ist festgehalten, dass die tangentialen öV-Beziehungen gestärkt werden sollen. Das unterstützt unsere Fraktion. Bei dieser Motion geht es um eine neue Tangentialbuslinie vom Kleefeld ins Neufeld, die hoffentlich früher als später bis in die Tiefenau verlängert wird. Die Idee einer Busverbindung im Korridor Bern Nordwest, entlang des Bremgartenwaldes, wird auch im STEK erwähnt. Die zuständigen städtischen Gremien haben also schon früh erkannt, dass eine direkte Busverbindung zwischen dem Stadtteil V und dem Stadtteil VI prüfenswert ist. Im Rahmen einer ETH-Diplomarbeit vom November 2018 betrachtete Adrian Kunz diesen Korridor näher und verfasste ein Angebotskonzept und eine Potenzialabschätzung. Ich danke Adrian Kunz für seine Abklärungen, ohne die es uns nicht möglich wäre, diese Tangentialbuslinie zu fordern. Diese Studie kommt zum Ergebnis, dass …“

Die Vorsitzende Barbara Nyffeler: „Da die Motion unbestritten ist, haben Sie nur Zeit für eine kurze Erklärung. Die Redezeit ist abgelaufen, ich muss Sie unterbrechen.“

„Das war mir nicht bewusst. Ich danke dem Stadtrat für die Annahme unserer Motion.“
Timur Akçasayar (SP)

 

Skript: Als erstes möchte ich dem Gemeinderat für seine kurze und prägnante Antwort zu unserer Motion bedanken. Es ist erfreulich, dass der Gemeinderat bereits reagiert hat und die vertiefte Prüfung für eine neue Tangentialbuslinie Kleefeld-Neufeld bei der RKBM beantragt hat.  Die Tangentialbuslinien in der Stadt Bern sind für den städtischen ÖV nicht unbedeutend und verkehren bereits seit mehreren Jahren in den verschiedenen Quartieren. Diese Tangentialbuslinien werden laufend optimiert und es werden auch neue Linien angeboten. Heute sind sie sind mittlerweile ein wichtiger Bestandteil im städtischen ÖV: sie Entlasten einerseits die Hauptverkehrsachsen (insbesondere den Hauptbahnhof) und verbinden andererseits die verschiedenen Quartiere direkt miteinander, was von der Bevölkerung geschätzt wird. Die Wichtigkeit dieser Buslinien kommt auch im aktuellen STEK 2016 zur Geltung. So hält das STEK fest, dass die tangentialen ÖV-Beziehungen gestärkt werden sollen. Dies unterstützen wir voll und ganz, da ein gut ausgebauter ÖV unabdingbar für das Funktionieren einer Stadt ist. Und ohne einen guten ÖV sind die klimapolitischen Ziele nur schwer zu erreichen. Konkret geht es bei unserer Motion um eine neue Tangentialbuslinie vom Kleefeld bis Neufeld und - hoffentlich früher als später - mit einer Verlängerung ins Tiefenau. Die Idee einer Busverbindung im Korridor Bern Nordwest, entlang des Bremgartenwaldes, ist nicht neu, sie ist auch STEK erwähnt. Die zuständigen städtischen Gremien haben also schon früh erkannt, dass eine direkte Busverbindung, die den Stadtteil 5 (Nordquartier) und Stadtteil 6 (Bümpliz-Oberbottigen) direkt miteinander verbindet, irgendeinmal zu prüfen wäre. Im Rahmen einer ETH-Diplomarbeit vom letzten November hat Adrian Kunz den Korridor näher betrachtet und ein Angebotskonzept und eine Potentialabschätzung vorgenommen. Für diese Arbeit möchte ich Adrian Kunz hier und jetzt meinen grossen Dank aussprechen. Ohne diese Abklärungen wäre es uns heute nicht möglich, diese – aus unserer Sicht notwendige - Buslinie zu fordern. So kommt die Studie zum Ergebnis, dass z.B. der ÖV-Modalsplit im Korridor Nordwest lediglich 25% beträgt, bei total rund 8'800 Fahrten pro Tag. Zum Vergleich, der innerstädtische der Stadt Bern liegt bei 42.9%. Der tiefe Wert lässt sich schon aufgrund der fehlenden direkten ÖV-Verbindungen zwischen den Stadtteilen 2, 5 und 6 erklären. Mit einer solchen direkten Verbindung würde sich der Modalsplit zugunsten des ÖV verbessern. In Anbetracht der Zeit verzichte ich auf das Vortragen zusätzlicher Zahlen und Details. Während fast alle Quartiere an das städtische ÖV-System angeschlossen sind, sind sowohl das Kleefeld als auch das Tiefenau schlecht erschlossen, wobei die Situation im Tiefenau um einiges schlimmer ist und die Unterversorgung akut ist. So wollen wir mit dieser Motion die Lücken im ÖV-Netz schliessen und auch für die Zukunft vorsorgen. Im besagten Korridor liegen wichtige Institutionen wie z.B. der Bremgartenfriedhof, die Universität, das Lindenhofspital, das Stadion Neufeld, die fast nur über den Bahnhof erreichbar sind. Und wir haben verschiedene Planungen und Verdichtungsprojekte in Arbeit (ESP Weyermannshaus, Viererfeld-Mittelfeld), die auch berücksichtigt werden müssen. Mit Punkt 4 der Motion wollen wir dem Rechnung tragen und sobald die Überbauung Viererfeld steht, soll die Linie bis ins Tiefenau verlängert werden. Dies bedeutet aber nicht, dass so lange gewartet werden muss, schliesslich wird bereits heute im Tiefenau gebaut und es entstehen mehr als 100 Familienwohnungen an der Reichenbachstrasse 118. Um diese Unterversorgung zu beheben, können natürlich andere Angebote oder Linienergänzung geprüft werden. Mit dem Punkt 3, der Verknüpfung mit der bestehenden Buslinie 32 von Riedbach nach Bachmätteli wollen wir das Kleefeld besser erschliessen und so auch einen Beitrag zur Attraktivität dieses Quartiers leisten. So gesehen können wir mit einer neuen Tangentialbuslinie im Korridor Bern Nordwest mehrere Fliegen auf einmal erledigen. Wir verbessern unseren Modalsplit, verknüpfen verschiedene Institutionen und Anlagen miteinander und sorgen für einen Anschluss für das unterversorgte Kleefeld und Tiefenau. Zum Schluss bitte Euch, dem Antrag des Gemeinderates zu folgen und unsere Motion als Richtlinie erheblich zu erklären. Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit.


Interpellation „Zusätzliche Abstellkapazitäten westlich des Hauptbahnhofes: Wohin mit dem neuen Tramdepot für Bernmobil?“

29.11.2018 - Einreichung Interpellation

Mit der Medienmitteilung zum Chantier Bethlehem-West teilt der Gemeinderat mit, dass Bernmobil westlich vom Hauptbahnhof zusätzliche Abstellkapazitäten benötigt. Die Art und Weise der Kommunikation ist unglücklich. Auch wenn es im Stadtentwicklungskonzept (STEK2016) erwähnt ist, sollten solch bedeutende Infrastrukturprojekte nicht „nebenbei“ der Öffentlichkeit mitgeteilt werden. Dass die Stadt mit der Planung beginnt und sich bei den anstehenden Gebietsentwicklung überlegt, was sinnvoll sein kann, ist richtig. Ein solches Tramdepot birgt nicht nur Risiken und generiert nicht nur Emissionen, es kann auch eine Chance für verdichtetes Bauen und unterschiedliche Nutzungen sein. Daher mein Fragenkatalog in Form der Interpellation.

12.03.2019 - Antwort Gemeinderat

Die Antwort des Gemeinderates liegt nun vor und wurde mit einer Medienmitteilung begleitet, siehe BZ-Artikel weiter unten. Leider bin ich mit der Antwort nicht zufrieden, insbesondere die Antwort zur Frage Nr. 4 ist enttäuschend. Es wäre schön gewesen, wenn der Gemeinderat aufhören würde zu lavieren und klar kommunizieren würde, dass in der heutigen Zeit Infrastrukturanlagen zwingend mit zusätzlichen Nutzungen wie Wohnen, Gewerbe, etc. realisiert werden müssen. Die bisher kommunizierten Standorte bei der Endstation Bümpliz oder im ESP Ausserholligen oder beim Tscharnergut sind verworfen und es hat einen sehr interessanten Standort dabei (Bodenweid). Da wir einen Planungshorizont von 20 Jahren haben, haben wir genügend Zeit, um ein anständiges Projekt zu realisieren.


Motion „Keine Buebetrickli bei den verkehrsintensiven Vorhaben (ViV) – gegen eine Erhöhung der Fahrtenzahl für das Einkaufszentrum Westside“

08.11.2018 - Einreichung interfraktionelle Motion

Als der Entwicklungsschwerpunkt Brünnen mit Wohnen und Freizeit geplant wurde, wurden verschiedene Massnahmen zum Schutze der Natur und Bevölkerung festgelegt. So wurden die Fahrtenzahlen für das Einkaufs- und Freizeitzentrum Westside auf 6‘000 pro Tag bewilligt. Die Fahrtenzahlen werden nicht eingehalten und sollen nun auf 8‘000 erhöht werden (+33%). Für diese Erhöhung gibt es keinen Grund, da nicht alle möglichen Lenkungsmassnahmen genutzt wurden und der Verkehr nachhaltiger gestaltet werden kann.

31.01.2019 - Stadtratsdebatte

Die dringlich erklärte interfraktionelle Motion wurde nun im Rat debattiert und da die Mitwirkungsfrist bereits abgelaufen ist, haben wir den Punkt 1 zurückgezogen. Die „bürgerliche“ Antwort des Gemeinderates ist enttäuschend und steht aus unserer Sicht klar im Wiederspruch zu den verschiedenen Zielen des Gemeinderates in der Verkehrs- und Umweltpolitik. Der Rat ist mehrheitlich unserer Ansicht und hat die Motion als Richtlinie angenommen (38 Ja, 22 Nein, 1 Enthaltung).

Auszug aus dem Stadtratsprotokoll

Fraktionserklärung: "Unsere Fraktion dankt dem Gemeinderat für seine Antwort, obwohl wir davon enttäuscht sind. Und wir halten an der Motion fest. Die Kontingentierung auf 6000 Fahrten täglich für das Freizeit- und Einkaufszentrum Westside wurde, wie die anderen flankierenden Massnahmen auch, nicht zum Spass festgelegt. Diese Massnahmen sollen die negativen Auswirkungen dieses Entwicklungsschwerpunkts für den Stadtteil 6 und die Umwelt mindern und die Lebensqualität erhalten. Es ist problematisch, wenn einzelne Massnahmen dieser Planung verändert werden. Die Erhöhung der Fahrtenzahlen um 33 Prozent ist massiv und widerspricht allen verkehrs- und umweltpolitischen Grundsätzen der Stadt Bern. Es stellt sich auch die Frage, wie der Gemeinderat seine Energie- und Klimastrategie umsetzen und wie er den CO2-Ausstoss senken will, wenn er bei verkehrsintensiven Vorhaben das Ziel des Schutzes der Umwelt ohne Not verändert. Die Kontingentierung auf 6000 Fahrten wurde nicht willkürlich festgelegt und sie wurde auch nicht bei Raclette und Bier an der Bümplizer Chilbi ermittelt, sondern sie beruht auf fundierten Daten. Nebenbei bemerkt: Es ist erstaunlich, dass man hier eine Erhöhung der Fahrtenzahlen vorsieht, während die Regionalkonferenz Bern-Mittelland an der Erarbeitung der Mobilitätsstrategie 2040 ist. Wie der Gemeinderat in seiner Antwort festhält, hat die Eigentümerschaft in der Vergangenheit verschiedene Massnahmen geprüft und umgesetzt. Diese Anstrengungen anerkennen wir, wobei man und frau sich die Frage stellen muss, ob das Parkhaus eines Freizeit- und Einkaufszentrums bereits um 6 Uhr morgens geöffnet sein muss, wenn die Geschäfte doch erst gegen 9 Uhr aufmachen. Es ist löblich, dass die Eigentümerschaft die Preisstruktur im Parkhaus überprüft und jetzt auch ändern will. Aber schon heute werden diese Anstrengungen unterminiert. So werden die Besucherinnen und Besucher des Westside zum Beispiel mit grossen Plakaten folgendermassen informiert, ich zitiere den entsprechenden Anbieter: „Parkgebühren hier vergünstigen. Profitieren Sie vom xy-Tarif, ein bis zehn Stunden für 20 Rappen pro Stunde.“ Ein anderer Anbieter informiert, das können Sie auf seiner Website nachlesen, dass man den ganzen Tag für 20 Rappen pro Stunde parkieren darf, man dürfe einfach nicht vergessen, das Ticket beim Ausgang umzuwandeln. Wer ein öV-Kombi-Ticket sucht, kann hingegen lange suchen. Ich habe Angebote gefunden, die mich mit öV ins Freiburgische, nach Luzern oder nach Zürich führen, aber keines für das Einkaufszentrum Westside. Im Interesse der Bevölkerung von Bümpliz, Bethlehem und Oberbottigen sowie für eine nachhaltige Verkehrspolitik bitte ich den Rat, die vorliegende Motion zu unterstützen und als Richtlinie erheblich zu erklären.“ Timur Akçasayar (SP)