Zivildienst

Auch ich habe nach meiner Einbürgerung am 6. April 2000 einen Brief von der Armee erhalten. Für einen Pazifisten wie mich, der für Frieden und Gewaltlosigkeit eintritt, war und ist ein Dienst in der Armee unvorstellbar. Die Bedrohungslage für die Schweiz hat sich verändert und eine klassische Armee inmitten von Europa ist nicht mehr zeitgemäss. Zugegeben, ein Teil der Armee leistet einen wichtigen Beitrag für uns alle (z.B. bei Naturkatastrophen). Dies kann anders organisiert werden, dazu braucht es keine militärische Kampftruppe für mehrere Milliarden Steuerfranken pro Jahr. Ich bin immer noch davon überzeugt, dass ein ziviler Friedensdienst ohne Armee eine bessere Lösung für die Schweiz ist (2001 vom Stimmvolk abgelehnt). 1992 hingegen wurde vom Stimmvolk der alternative Dienst, der Zivildienst, gutgeheissen. Dieser ist mittlerweile in der Gesellschaft akzeptiert und mit der Arbeit der Zivis in Natur und im Sozialwesen werden wichtige Leistungen erbracht. Ich nutzte diese Möglichkeit und wurde nach der bestandenen Gewissensprüfung, welche mittlerweile abgeschafft wurde, zugelassen. Meinen ersten Einsatz war beim Sozialdienst der reformierten Kirchgemeinde Bethlehem. In den fünf Monaten konnte ich interessante Menschen kennen lernen und es war für mich eine tolle Abwechslung vom Alltag: z.B. Tanzen und Malen mit der Kindergruppe, Begleitung der Beschäftigungsprogrammen Café Mondial und Tscharni-Laden und vieles mehr. Mir waren die sozialen Angebote bewusst, doch erst der Blick hinter die Kulissen zeigte mir die Wichtigkeit der Angebote für die Menschen im Quartier. Obschon es Spass machte, wollte ich beim nächsten Dienst in die Natur und fand im Aargau eine Gelegenheit bei Pro Natura. So verbrachte ich einige Herbst-Wochen in den aargauischen Schutzgebieten und bekämpfte die kanadische Goldrute und andere „schädliche“ Pflanzen. Begeistert wählte ich den Schwerpunkt Umwelt und besuchte den Zivi-Kurs an der ZHAW in Wädenswil. Mit dem Wissen über die Zusammenhänge leistete ich die restliche Dienstzeit bei Creanatira, dem Einsatzbetrieb von Pro Natura Aargau. Leider gehöre ich seit 2012 zu der Gruppe „Habe alle Diensttage geleistet“. Was bleibt sind die Erinnerungen und Freundschaften sowie die Gewissheit, einen sinnvollen Beitrag für die Gesellschaft geleistet zu haben.